(zu alt für eine Antwort)
Wann fuhr der letzte Interzonenzug?
Thorsten Klein
2010-06-16 16:29:30 UTC
Hallo,

ich war gerade dabei, meinen Zugbegleiterbestand für Verkauf auf den
neusten Stand zu bringen, als ich gesehen habe, dass zum Winter 1989/90
immer noch Interzonenzüge fuhren. War der Fall der Mauer nicht 1989? Ich
habe die DDR nicht wirklich wahrgenommen. 1989 war ich 8 bzw. 9 und
Politik hat mich nicht wirklich interessiert. Oder fuhren die IZZ (warum
hat man denen nicht die Gattung IZ gegeben? ;-) bis zum Einheitstag am
3.10.1990?

Der erste Zug, der die Grenze ohne Passkontrolle überfahren durfte, war
laut einer Erzählung ein Dampfsonderzug, der als "EC Deutschland" hin-
und als IC zurückfuhr. Er hat die Grenze bei Bebra angeblich kurz nach
Mitternacht überfahren, weiss da jemand mehr drüber?

Gruss,
Thorsten
Will Berghoff
2010-06-16 16:56:06 UTC
Post by Thorsten Klein
ich war gerade dabei, meinen Zugbegleiterbestand für Verkauf auf den
neuesten Stand zu bringen, als ich gesehen habe, dass zum Winter 1989/90
immer noch Interzonenzüge fuhren. War der Fall der Mauer nicht 1989? Ich
habe die DDR nicht wirklich wahrgenommen. 1989 war ich 8 bzw. 9 und
Politik hat mich nicht wirklich interessiert. Oder fuhren die IZZ (warum
hat man denen nicht die Gattung IZ gegeben? ;-) bis zum Einheitstag am
3.10.1990?
Die Grenze der DDR zur Bundesrepublik bestand bis zum 3.10.90.

Der "Mauerfall" war lediglich eine Beendigung der Genehmigungsfrist zur
Ausreise aus der DDR für DDR-Bürger. Ansonsten blieben die
Grenzabfertigungen formal erhalten und auch der Verkehrsvertrag aus der
Zeit Willy Brandts galt weiter.

Am 26.12.1989 durften erstmals Bundesbürger ohne Visum (aber mit sog.
"Zählkarte" und Reisepaß in die DDR einreisen. Die DDR-Grenzkontrollen
wurden im Laufe dieses Tages hart gefordert und daraufhin laufend
verwässert.
Post by Thorsten Klein
Der erste Zug, der die Grenze ohne Passkontrolle überfahren durfte, war
laut einer Erzählung ein Dampfsonderzug, der als "EC Deutschland" hin-
und als IC zurückfuhr. Er hat die Grenze bei Bebra angeblich kurz nach
Mitternacht überfahren, weiss da jemand mehr drüber?
Wann die Grenze tatsächlich kontrollfrei wurde vor dem 3.1.90 erinnere
ich nicht, wird sich aber herausfinden lassen. Am 1.7.90 jedenfalls
wurde nicht mehr kontrolliert, aber die Grenzen waren noch besetzt und
das Mitführen eines Reisepasses für Bundesbürger war nicht mehr Pflicht.
Reinhard Greulich
2010-06-16 17:18:54 UTC
Post by Thorsten Klein
Oder fuhren die IZZ (warum
hat man denen nicht die Gattung IZ gegeben? ;-) bis zum Einheitstag am
3.10.1990?
War das eine Zuggattung? Möchte ich bezweifeln, nach meiner Erinnerung
fuhren die grenzüberschreitenden Züge zwischen Bundesrepublik und DDR
bzw. die Direktzüge von Westdeutschland nach Berlin eh und je als ganz
normale "D".

"Interzonendingens" war ein Kampfausdruck aus dem Kalten Krieg, den
hat 1989 nicht mal mehr die Springerpresse verwendet. "Transit" war
ein akzeptierter Begriff für die DDR durchquerende Verbindungen
zwischen Westdeutschland und West-Berlin, das stand so im
Viermächteabkommen. Bei der Bahn IIRC aber trotzdem nicht
gebräuchlich, weitaus mehr auf der Straße.

Gruß - Reinhard.
--
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Jens Schmidt
2010-06-16 18:52:16 UTC
Post by Reinhard Greulich
"Interzonendingens" war ein Kampfausdruck aus dem Kalten Krieg, den
hat 1989 nicht mal mehr die Springerpresse verwendet. "Transit" war
ein akzeptierter Begriff für die DDR durchquerende Verbindungen
zwischen Westdeutschland und West-Berlin, das stand so im
Viermächteabkommen. Bei der Bahn IIRC aber trotzdem nicht
gebräuchlich, weitaus mehr auf der Straße.
Da bringst Du was durcheinander. Interzonenzug und Transitzug haben
zwar als Gemeinsamkeit die Querung der innerdeutschen Grenze
gehabt, aber es gab einen wichtigen Unterschied:
Ein Interzonenzug quert nur einmal auf seinem Laufweg diese Grenze,
ein Transitzug dagegen zweimal.

Die Erläuterung bei Wikipedia stimmt mit meinen Erinnerungen überein.
Post by Reinhard Greulich
Der Begriff Interzonenzug wurde im Jahre 1946 von der Deutschen Reichsbahn
in der Sowjetischen Besatzungszone eingeführt. Er war auch nach der
Bildung der beiden deutschen Staaten eine Zeitlang die offizielle
Bezeichnung für deutsch-deutsche Reisezüge bei beiden Bahnverwaltungen,
bei der Deutschen Reichsbahn (DR) bis 1954, bei der Deutschen Bundesbahn
(DB) bis in die 1960er Jahre. Umgangssprachlich hat sich Interzonenzug bis
zum Ende der DDR gehalten. Erst mit der Wiedervereinigung entfiel der
Begriff. Im offiziellen Sprachgebrauch änderte sich die Bezeichnungen als
Folge der jeweiligen politischen Situation mehrfach. Bei der DR war
beispielsweise 1960 von Zügen DDR−Westdeutschland die Rede, in den 1970ern
und 1980ern von Zügen DDR−BRD. Die Züge galten als Internationale
Reisezüge und standen daher im Internationalen Kursbuch der DR. Bei der DB
sprach man von Zügen DB−DR (1970), in den 1980er Jahren ebenfalls von
Zügen Bundesrepublik Deutschland − Deutsche Demokratische Republik bzw.
Berlin (West). Auf Fachebene war auch der Ausdruck Wechselverkehrszüge
üblich.
--
Viele Grüße,
Jens Schmidt
Reinhard Greulich
2010-06-16 19:34:37 UTC
Post by Jens Schmidt
Da bringst Du was durcheinander. Interzonenzug und Transitzug haben
zwar als Gemeinsamkeit die Querung der innerdeutschen Grenze
Ein Interzonenzug quert nur einmal auf seinem Laufweg diese Grenze
Ja, das habe ich mal zusammengefasst, weil beide keine Zuggattung
waren, sondern als D liefen. Und genau genommen waren auch die
Transitzüge Interzonenzüge, denn sie begannen und endeten immer in
Berlin Friedrichstraße, also in der DDR (allerdings waren nach dem
Aussteigen dort entweder die Grenzkontrollen zu passieren oder die S-
bzw. U-Bahn nach West-Berlin zu besteigen, Letzteres ohne Kontrolle).
Und es war an anderen Bahnhöfen in der DDR kein Ausstieg möglich.

Mag sein, dass der Begriff "Interzonenzug" umgangssprachlich noch im
Umlauf war, im offiziellen Bahnsprech jedenfalls in den 80ern aber
wohl nicht mehr. Wie gesagt - jetzt wird es politisch - alles, was mit
"Zone" zusemmenhing, klang nach Revanchismus (heute hieße das
"political incorrect") und als das wollte man im Zuge der Entspannung
der 70er und 80er eigentlich nicht mehr gelten. Selbst das Bollwerk
Springer schrieb in dieser Zeit nie "Zone", sondern setzte immer nur
demonstrativ seine "Tüdelchen" um das DDR, und selbst das haben sie
spät in den 80ern, aber immerhin noch deutlich vor dem Mauerfall, dann
aufgegeben. Stimmt aber, meine Mutter hat ihn aus alter Gewohnheit
gebraucht, wenn sie mal wieder zur Verwandtschaft nach "drüben" fuhr.

Gruß - Reinhard.
--
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Torsten Jerzembeck
2010-06-16 19:45:27 UTC
Post by Will Berghoff
Post by Thorsten Klein
Der erste Zug, der die Grenze ohne Passkontrolle überfahren durfte, war
laut einer Erzählung ein Dampfsonderzug, der als "EC Deutschland" hin-
und als IC zurückfuhr. Er hat die Grenze bei Bebra angeblich kurz nach
Mitternacht überfahren, weiss da jemand mehr drüber?
Wann die Grenze tatsächlich kontrollfrei wurde vor dem 3.1.90 erinnere
ich nicht, wird sich aber herausfinden lassen. Am 1.7.90 jedenfalls
wurde nicht mehr kontrolliert, aber die Grenzen waren noch besetzt und
das Mitführen eines Reisepasses für Bundesbürger war nicht mehr Pflicht.
Ich erinnere mich noch gut an unsere Klassenfahrt im August 1990 nach
Berlin: Im Zug von Osnabrück Hbf nach Berlin Stadtbahn gab es hinter
Helmstedt eine Ausweiskontrolle, die mir aber damals schon eher "pro
forma" erschien. In Berlin selbst gab es Ende August 1990 schon keinerlei
Kontrollen mehr, weder an der ehemaligen Mauer noch beim Ausflug nach
Potsdam. Auch auf der Rückfahrt kann ich mich an keine Kontrolle
erinnern.

Besonders bizarr war die Situation im ehemaligen Grenzbahnhof Berlin
Friedrichstraße: Dort hatte man einfach alle Durchgänge zwischen den
früher voneinander abgeschotteten Bahnhofsteilen (DDR-Binnenverkehr,
exterritorialer Binnenverkehr Berlin (West), Grenzübergangsstelle)
geöffnet, was den Bahnhof zu einem für den Außenstehenden praktisch
nicht durchschaubaren Labyrinth machte. Ich habe mich da beim Umsteigen
mehr als einmal total verlaufen. ;-)

Grüße aus Bad Cannstatt,

=ToJe=
--
Torsten Jerzembeck * Oberschlesische Str. 61 * D-70374 Stuttgart
Exil-Westfale * PGP: B74DB58D * MIME welcome * Generation Tux * ><o(((°>
Thorsten Klein
2010-06-16 20:46:22 UTC
Post by Reinhard Greulich
Ja, das habe ich mal zusammengefasst, weil beide keine Zuggattung
waren, sondern als D liefen.
Ja klar, das mit der Zuggatung war auch nur von mir eine Frage, warum
die das eigentlich nicht taten. :-)
Post by Reinhard Greulich
Und es war an anderen Bahnhöfen in der DDR kein Ausstieg möglich.
Aber Einstieg. Und zwar in Marienborn, dem letzten offiziellen Halt vor
Berlin Wannsee, und bei Polenzügen auch noch in Frankfurt (die fuhren
bis Berlin auch ohne Halt). Diente wohl hauptsächlich zum Ausstieg des
Grenzpersonals, wobei die bei der Grenze Helmstedt/Marienborn recht fix
waren, die Züge hielten da nicht recht lange. In Bebra oder Oebisfelde
meine ich, längere Standzeiten gesehen zu haben.

Hielten die Züge denn auf DDR Gebiet noch woanders inoffiziell? Etwa zum
Umspannen? Nach Berlin konnte man ja damals noch nicht elektrisch.
Post by Reinhard Greulich
Mag sein, dass der Begriff "Interzonenzug" umgangssprachlich noch im
Umlauf war, im offiziellen Bahnsprech jedenfalls in den 80ern aber
wohl nicht mehr.
Im "Bahnsprech" zwar nicht mehr, aber umgangssprachlich schon. Die
Tatsache, dass ich diesen Begriff kenne (ich bin Baujhar 1980) beweist
das. :-)
Thorsten Klein
2010-06-16 20:56:45 UTC
Post by Torsten Jerzembeck
Ich erinnere mich noch gut an unsere Klassenfahrt im August 1990 nach
Berlin: Im Zug von Osnabrück Hbf nach Berlin Stadtbahn gab es hinter
Helmstedt eine Ausweiskontrolle, die mir aber damals schon eher "pro
forma" erschien.
Hat euer Zug da noch in Marienborn gehalten oder schon klassisch in MD
und Potsdam? im mir vorliegenden Fahrplan Winter 90/91, gültig ab 30.9.
1990 war dem schon so. In Helmstedt gabs da noch 13min Aufenthalt - wohl
zum Umspannen. Und es wurde auch schon nach Berlin Hbf. gefahren.

Fuhren die Transitzüge eigentlich leer auch bis Hbf.? Denn an der
Friedrichstr. war sicher nicht sooo viel Platz zum länger stehenbleiben,
oder?
Post by Torsten Jerzembeck
In Berlin selbst gab es Ende August 1990 schon keinerlei
Kontrollen mehr, weder an der ehemaligen Mauer noch beim Ausflug nach
Potsdam. Auch auf der Rückfahrt kann ich mich an keine Kontrolle
erinnern.
Da wusste man aber schon, dass die Grenze bald gestrichen wird, oder?
Post by Torsten Jerzembeck
Besonders bizarr war die Situation im ehemaligen Grenzbahnhof Berlin
Friedrichstraße: Dort hatte man einfach alle Durchgänge zwischen den
früher voneinander abgeschotteten Bahnhofsteilen (DDR-Binnenverkehr,
exterritorialer Binnenverkehr Berlin (West), Grenzübergangsstelle)
geöffnet, was den Bahnhof zu einem für den Außenstehenden praktisch
nicht durchschaubaren Labyrinth machte. Ich habe mich da beim Umsteigen
mehr als einmal total verlaufen. ;-)
erinnert mich an Konstanz ;-)
Dort wurden ein Jahr nach dem CH-Schengen-Beitritt sämtliche
Absperrungen entfernt, die Ansagen, man soll sich zur Passkontrolle
begeben, sind geblieben :-)
Nur verlaufen kann man sich da nicht wirklich ;-)
Jens Schmidt
2010-06-16 20:57:20 UTC
Post by Thorsten Klein
Hielten die Züge denn auf DDR Gebiet noch woanders inoffiziell? Etwa zum
Umspannen? Nach Berlin konnte man ja damals noch nicht elektrisch.
Jeder Halt bedeutete eine Möglichkeit zum unüberwachten Einsteigen und
war deshalb unbedingt zu vermeiden. Also wurde die ganze Strecke mit
der selben (Diesel-)Lok gefahren.
--
Viele Grüße,
Jens Schmidt
Reinhard Greulich
2010-06-16 21:01:03 UTC
Post by Thorsten Klein
Post by Reinhard Greulich
Und es war an anderen Bahnhöfen in der DDR kein Ausstieg möglich.
Aber Einstieg. Und zwar in Marienborn, dem letzten offiziellen Halt vor
Berlin Wannsee, und bei Polenzügen auch noch in Frankfurt (die fuhren
bis Berlin auch ohne Halt). Diente wohl hauptsächlich zum Ausstieg des
Grenzpersonals, wobei die bei der Grenze Helmstedt/Marienborn recht fix
waren, die Züge hielten da nicht recht lange. In Bebra oder Oebisfelde
meine ich, längere Standzeiten gesehen zu haben.
Letzter Verkehrshalt vor Berlin Zoo war Helmstedt. In Marienborn war
ein Betriebshalt, an dem ausschließlich die Grenzkontrollorgane (oder
wie das hieß) zu- und ausstiegen.
Post by Thorsten Klein
Hielten die Züge denn auf DDR Gebiet noch woanders inoffiziell? Etwa zum
Umspannen? Nach Berlin konnte man ja damals noch nicht elektrisch.
Lokwechsel war auf dieser Strecke in Helmstedt.

Gruß - Reinhard.
--
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Reinhard Greulich
2010-06-16 21:10:34 UTC
Post by Torsten Jerzembeck
Besonders bizarr war die Situation im ehemaligen Grenzbahnhof Berlin
Friedrichstraße: Dort hatte man einfach alle Durchgänge zwischen den
früher voneinander abgeschotteten Bahnhofsteilen (DDR-Binnenverkehr,
exterritorialer Binnenverkehr Berlin (West), Grenzübergangsstelle)
geöffnet, was den Bahnhof zu einem für den Außenstehenden praktisch
nicht durchschaubaren Labyrinth machte. Ich habe mich da beim Umsteigen
mehr als einmal total verlaufen. ;-)
Das war schon Anfang 1990 beeindruckend - und später habe ich mich
furchtbar geärgert, dass ich das nicht alles dokumentiert habe. Das
wäre überhaupt kein Problem gewesen, hätte wirklich keinen
interessiert, wenn man da mal ein, zwei Stunden mit der Kamera
herumgelaufen wäre. Und sämtliche Türen standen offen, auch die zu
Räumen, in denen eine ganze Wand voll mit jetzt toten
Überwachungsmonitoren bestückt war (in so einem garagenartigen Gebäude
jenseits der Friedrichstraße, welches durch einen Tunnel unter der
Friedrichstraße hindurch mit dem Bahnhof verbunden war). Aber der alte
Reflex saß noch tief - man war jedes Mal froh gewesen, da möglichst
schnell 'raus zu kommen, sei es zur einen oder zur anderen Seite.

Gruß - Reinhard.
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Reinhard Greulich
2010-06-16 21:12:16 UTC
Post by Jens Schmidt
Jeder Halt bedeutete eine Möglichkeit zum unüberwachten Einsteigen und
war deshalb unbedingt zu vermeiden.
In IIRC Magdeburg gab es zwei eingezäunte und bewachte Gleise nur für
den Zweck, dies zu vermeiden, wenn doch mal gehalten werden musste.

Gruß - Reinhard.
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Ralf
2010-06-16 21:33:00 UTC
Post by Thorsten Klein
ich war gerade dabei, meinen Zugbegleiterbestand für Verkauf auf den
neusten Stand zu bringen, als ich gesehen habe, dass zum Winter 1989/90
immer noch Interzonenzüge fuhren. War der Fall der Mauer nicht 1989? ...
Konkret am 09.11.1989.
Post by Thorsten Klein
.. Oder fuhren die IZZ (warum
hat man denen nicht die Gattung IZ gegeben? ;-) bis zum Einheitstag am
3.10.1990?
Der letzte "Interzonenzug" war meines Wissens der D 1441 Norddeich -
Hannover - Magdeburg - Berlin - Cottbus, der dort am 02.10.1990 um 23:10
Uhr ankam.
Post by Thorsten Klein
Der erste Zug, der die Grenze ohne Passkontrolle überfahren durfte, war
laut einer Erzählung ein Dampfsonderzug, der als "EC Deutschland" hin-
und als IC zurückfuhr. Er hat die Grenze bei Bebra angeblich kurz nach
Mitternacht überfahren, weiss da jemand mehr drüber?
Die Paßkontrolle und die "Interzonenzüge" haben nichts miteinander zu tun.

Der "EC Deutschland" war ein Sonderzug zur Wiedervereinigungsfeier in
Berlin, aber kein Interzonenzug im klassischen Sinn.

Die Einstellung der Paßkontrolle in der DDR erfolgte am 30.Juni 1990 um
23:59 Uhr, da am 01.Juli 1990 um 00:00 Uhr die "Währungs-, Wirtschafts- und
Sozialunion zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR" in kraft
trat.

Das hätte man durch eine kleine Recherche mittels der Internetsuchmaschinen
auch selbst herausfinden können.

Gruß, Ralf
Ralf
2010-06-16 22:27:21 UTC
Post by Thorsten Klein
Post by Reinhard Greulich
Ja, das habe ich mal zusammengefasst, weil beide keine Zuggattung
waren, sondern als D liefen.
Ja klar, das mit der Zuggatung war auch nur von mir eine Frage, warum
die das eigentlich nicht taten. :-)
Es war nicht vorgesehen.
Post by Thorsten Klein
Post by Reinhard Greulich
Und es war an anderen Bahnhöfen in der DDR kein Ausstieg möglich.
Aber Einstieg.
Moment! Nichts verwechseln! Die "Interzonenzüge" hatten sehr wohl
Verkehrshalte in der DDR, nur die Transitzüge nicht.
Post by Thorsten Klein
...Und zwar in Marienborn, dem letzten offiziellen Halt vor
Berlin Wannsee, ...
Der Verkehrshalt in Marienborn war auch nur den BRD-Bürgern vorbehalten,
die hier in die/aus den Personenzüge(n) des DDR-Binnenverkehrs umstiegen,
da Marienborn schon in der 5-Kilometer-Sperrzone lag.
Post by Thorsten Klein
...Diente wohl hauptsächlich zum Ausstieg des
Grenzpersonals, wobei die bei der Grenze Helmstedt/Marienborn recht fix
waren, die Züge hielten da nicht recht lange.
In der Tat stiegen die PKE und die Grenzer in Marienborn ein und aus,
während das Zub der Reichsbahn (die Kollegen vom "I-Plan" der
Einsatzstellen Magdeburg und Potsdam) bis nach Helmstedt und Westberlin
fuhr. In Helmstedt fand auch regelmäßig der DR-/DB-Personal- und Lokwechsel
statt.
Post by Thorsten Klein
...In Bebra oder Oebisfelde
meine ich, längere Standzeiten gesehen zu haben.
Da war auch der oben schon erwähnte Lok- und Personalwechsel, ebenso in
Probstzella und Gutenfürst.
Post by Thorsten Klein
Hielten die Züge denn auf DDR Gebiet noch woanders inoffiziell?
Ja, es gab Betriebshalte, beispielsweise in Magdeburg Hbf und in
Griebnitzsee. Bei letzterem Ausstieg der PKE und der Grenzer.
Post by Thorsten Klein
...Etwa zum
Umspannen? Nach Berlin konnte man ja damals noch nicht elektrisch.
Nein, die Tfz waren alles Reichsbahnmaschinen (beheimatet im Bw Pankow?),
die von den o.g. Grenzbahnhöfen bis Westberlin durchliefen, und zwar auch
für die "Besatzerzüge" der Briten, Franzosen und Amerikaner, wahlweise nach
Lichterfelde West, Tegel und Grunewald(?).
Post by Thorsten Klein
Post by Reinhard Greulich
Mag sein, dass der Begriff "Interzonenzug" umgangssprachlich noch im
Umlauf war, im offiziellen Bahnsprech jedenfalls in den 80ern aber
wohl nicht mehr.
Im "Bahnsprech" zwar nicht mehr, aber umgangssprachlich schon. Die
Tatsache, dass ich diesen Begriff kenne (ich bin Baujhar 1980) beweist
das. :-)
Noch mehr Wissenswertes zu den Interzonenzügen steht hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Interzonenzug

Gruß, Ralf
Ralf
2010-06-16 22:40:45 UTC
Post by Torsten Jerzembeck
Ich erinnere mich noch gut an unsere Klassenfahrt im August 1990 nach
Berlin: Im Zug von Osnabrück Hbf nach Berlin Stadtbahn gab es hinter
Helmstedt eine Ausweiskontrolle, die mir aber damals schon eher "pro
forma" erschien.
Hat euer Zug da noch in Marienborn gehalten...
Ja.
...oder schon klassisch in MD
und Potsdam?
Da auch, wobei der damalige Potsdamer Hbf heute Potsdam Pirschheide heißt
und das damalige Potsdam Stadt heute der Potsdamer Hbf ist.
...im mir vorliegenden Fahrplan Winter 90/91, gültig ab 30.9.
1990 war dem schon so. In Helmstedt gabs da noch 13min Aufenthalt - wohl
zum Umspannen.
Das war auch im Reichsbahnkursbuch, gültig ab 27.05.1990 so.
Und es wurde auch schon nach Berlin Hbf. gefahren.
Der heißt heute wieder Berlin Ostbahnhof.
Fuhren die Transitzüge eigentlich leer auch bis Hbf.?
Nein. Der D 344 startete beispielsweise in Berlin Rga (=Rummelsburg
Abstellbahnhof), fuhr als Leerpark via Stadtbahn nach Friedrichstraße,
begann dort und hielt nochmals in Berlin Zoo. Andersrum endeten die Züge in
Friedrichstraße, um von dort als Leerpark ebenfalls via Stadtbahn nach
Rummelsburg zu fahren.
...Denn an der
Friedrichstr. war sicher nicht sooo viel Platz zum länger stehenbleiben,
oder?
Korrekt, die Gleisanlagen sind heute noch unverändert, wobei die
sichtversperrenden Aufsiochtshäuschen auf den Bahnsteigen weg sind.
Post by Torsten Jerzembeck
In Berlin selbst gab es Ende August 1990 schon keinerlei
Kontrollen mehr, weder an der ehemaligen Mauer noch beim Ausflug nach
Potsdam. Auch auf der Rückfahrt kann ich mich an keine Kontrolle
erinnern.
Da wusste man aber schon, dass die Grenze bald gestrichen wird, oder?
Die 4+2-Gespräche waren da jedenfalls schon gelaufen, verbunden mit allen
weiteren Folgen.

Gruß, Ralf
Ralf
2010-06-16 22:42:49 UTC
Post by Torsten Jerzembeck
Besonders bizarr war die Situation im ehemaligen Grenzbahnhof Berlin
Friedrichstraße: Dort hatte man einfach alle Durchgänge zwischen den
früher voneinander abgeschotteten Bahnhofsteilen (DDR-Binnenverkehr,
exterritorialer Binnenverkehr Berlin (West), Grenzübergangsstelle)
geöffnet, was den Bahnhof zu einem für den Außenstehenden praktisch
nicht durchschaubaren Labyrinth machte. Ich habe mich da beim Umsteigen
mehr als einmal total verlaufen. ;-)
Das war schon Anfang 1990 beeindruckend ... (in so einem garagenartigen Gebäude
jenseits der Friedrichstraße, welches durch einen Tunnel unter der
Friedrichstraße hindurch mit dem Bahnhof verbunden war).
Der Tränenpalast: http://de.wikipedia.org/wiki/Tr%C3%A4nenpalast

Gruß, Ralf
Ralf
2010-06-16 22:45:54 UTC
Post by Reinhard Greulich
Post by Jens Schmidt
Jeder Halt bedeutete eine Möglichkeit zum unüberwachten Einsteigen und
war deshalb unbedingt zu vermeiden.
In IIRC Magdeburg gab es zwei eingezäunte und bewachte Gleise nur für
den Zweck, dies zu vermeiden, wenn doch mal gehalten werden musste.
Nein, gab es nicht. Jedenfalls nicht ab 1985.

Die Transitzüge hielten gen Westberlin auf Gleis 8w, weil durchgehendes
Hauptgleis in Magdeburg Hbf und nur für Güterzüge. Gleis 9w war das
durchgehende Hauptgleis gen Buckau bzw Sudenburg (und weiter nach
Marienborn - Helmstedt).

Gruß, Ralf
Oliver Schnell
2010-06-17 06:23:45 UTC
Post by Jens Schmidt
Post by Thorsten Klein
Hielten die Züge denn auf DDR Gebiet noch woanders inoffiziell? Etwa zum
Umspannen? Nach Berlin konnte man ja damals noch nicht elektrisch.
Jeder Halt bedeutete eine Möglichkeit zum unüberwachten Einsteigen und
war deshalb unbedingt zu vermeiden. Also wurde die ganze Strecke mit
der selben (Diesel-)Lok gefahren.
Ich kann mich an einen Betriebshalt in Ludwigslust (oder wars Wittenberge?)
im Sommer 1975 erinnern, als die ab Berlin vorhandenen Vorspann 01er
vom Schnellzug Berlin - Westerland abgezogen wurde und der Zug ab dort
mit der verbliebenen Diessellok weiterfuhr.
--
Oliver Schnell
Gerhard Thumm
2010-06-17 06:39:52 UTC
Thorsten Klein schrieb...
Post by Thorsten Klein
Hielten die Züge denn auf DDR Gebiet noch woanders inoffiziell?
Etwa zum Umspannen? Nach Berlin konnte man ja damals noch nicht
elektrisch.
Bei Zügen Berlin-Nürnberg (-Stuttgart) wurde in Probstzella umge-
spannt, also auf DDR-Gebiet.
Südlich von Probstzella war elektrischer Betrieb, nördlich Dampf
bzw. Diesel.

MfG Gerhard
Wolfgang Hauser
2010-06-17 07:43:50 UTC
Post by Thorsten Klein
erinnert mich an Konstanz ;-)
Dort wurden ein Jahr nach dem CH-Schengen-Beitritt sämtliche
Absperrungen entfernt, die Ansagen, man soll sich zur Passkontrolle
begeben, sind geblieben :-)
Der Ansagehinweis im Seehas zu einem Anschlußzug spricht seit einiger
Zeit von "Zollkontrolle".

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